Süd-Marokko

Fieberglut im Farbenrausch.
Karge flirrende Einöde
spaltet das Sehen,
unerträgliches Blau
befördert tosende Wellen
in das Gehirn.
Palmen 
zucken staubige Schatten
über maurische Gärten,
jäh fällt pechschwarze Finsternis
über Mensch und Tier.
Prickelnde Kühle
erzeugt
neues Werden.

Wüstennacht

Verdorrte Äste
zeigen fingergleich
auf dramatisch kohlenfarbenen Himmel,
blanke Sterne
brechen aus der Schwärze hervor,
ein eisiger Lufthauch
wischt gierig Wärme aus höllenheißem Sand,
winzige Kreaturen
saugen unentbehrliche Feuchtigkeit
zwischen den Sandkörnern heraus,
erstarrt unter Eiskristallen
lauert alles Dasein
auf die unbarmherzige Sonne.

Sommertag

Aus farbenfroher Helle
taucht der Tag empor,
der Tau verpufft
auf braungrünen Gräsern
Schnecken
suchen schleimigst das Weite,
erstarrt kleben Fliegen an der Decke,
brüllende Glut
saugt Aktivität aus Flora und Fauna,
zäh vergeht das Licht,
schmerbäuchige Frösche
trompeten
ihr Siegeslied.

Sommernacht

Laute zerfließen,
Zunge ohne Wörter
verpackt
Gedanken in Watte,
taumelnde Zeit
in der Hitze des finalen Tages,
orangefarbenes Glühen
der letzten Strahlen,
das Licht schleicht
still davon,
makellose Bläue
verliert sich in die Dunkelheit,
die Nacht stiehlt sich ein,
Träume
von den letzten Stunden der Nacht
verschluckt.

Lebensmitte

Katapultiert
aus der Ignoranz der Jugend
erstaunter Rückblick
auf den Scherbenhaufen verflossener Jahre
qualvolle Gedanken
umsäumen die imprägnierte Wirklichkeit
wohin
wofür
gähnende Abgründe
gleichen den Blick in die Zukunft
doch Hoffnung lässt Sinne forschen
nach neuen Bestimmungen.

erwachsen sein

die last der verantwortung
rundet die schultern
das gefühl 
etwas beweisen zu müssen
zeigt ein defizit
der fähigkeiten
in der menge verloren
in abgründe von unzufriedenheit
versunken
zuflucht
in träumen
beim streben nach vollkommenheit
die hausgemachte bitterkeit
ausgespuckt
zwischen den zweifeln
den nächsten tag planen.

Urlaub

Im Sog der Zeit
nur der Stimme des Wassers lauschen,
Wellen
aus warmen Wind
tragen
Geruch von gemähtem Gras.

Die Uhr
zeigt 
das Verstreichen 
des Nichts an,
monotone Tage
jedes Mal neu,
hinter der Schattierung 
der Dämmerung
glänzt das Mondlicht.

Abgeblätterte Träume
im äußersten Raum der Fantasie,
das Leben hält 
den Atem an.

betrogen

eisiges Brennen
erbarmungsloser Gedanken
im Innern
ein Wirbelsturm aus Hass
der Stachel der Ungewissheit
umhüllt
von einem Mantel aus Täuschung
genährt
vom Stolz der Eitelkeit
ungeklärtes Misstrauen
mit ins Bett gelegt
Träume aus Rasierklingendraht
schneiden Stücke aus der Nacht
mein Platz
ist ein Außenposten der Wildnis

Gewappnet

Vom Himmel
Waffen geborgt
für knapp kalkulierte Welt,
herunter geklapptes Visier
verhindert 
Vernichtung von Freiheit
Rost
in den Spalten
der Rüstung,
die Lanze abgewetzt,
lückenlose Kette
aus
erbarmungsloser Realität.

Zeit für mich

Menschen
versperren die Sicht
auf die Stunden
meiner Gedanken.

Momente erstarren
und
werden zur Ewigkeit.

Geraubte Illusionen
in der Tretmühle der Jahre,
die Zeit zerfließt
wie geruchloser Wein.

Monotone Arbeit
blockiert
das Innere.

Die Wirklichkeit 
bleibt ausgesperrt.
Zeit für mich:
ein Atom
im Getriebe des Lebens.